Der Anycubic Kobra S1 Max Combo in Kürze
Der Anycubic Kobra S1 Max Combo ist die vergrößerte Version des Kobra S1 und gehört zu den größten geschlossenen Mehrfarbdruckern für den Heimgebrauch. Sein Bauraum misst 350 × 350 × 350 mm, das sind über 40 Liter Volumen. Dazu kommen eine aktive Kammerheizung bis 65 °C, ein Hotend bis 350 °C und die neue Mehrfarbeinheit ACE 2 Pro, die Filament während des Drucks trocknet. Bei Amazon kostet das Paket derzeit preis ansehen.
Bei Amazon erreicht der Drucker eine Durchschnittsnote von 4,5 von 5 Sternen aus 34 Bewertungen. Das ist ein guter Start, aber noch eine überschaubare Zahl.
Wir haben die Angaben der offiziellen Produktseite im EU-Shop von Anycubic und der Produktbeschreibung bei Amazon zusammengetragen und ordnen sie ein. Ein eigener Druckversuch liegt dieser Bewertung nicht zugrunde.
Technische Daten laut Hersteller
| Merkmal | Anycubic Kobra S1 Max Combo |
|---|
| Bauraum | 350 × 350 × 350 mm |
| Bauweise | CoreXY, Vollmetall, vollständig geschlossen |
| Hotend / Düse | max. 350 °C, gehärteter Stahl, 0,4 mm (0,6 mm beiliegend, 0,25 / 0,8 mm optional) |
| Druckbett | max. 120 °C, PEI-Federstahlplatte |
| Kammerheizung | aktiv, bis 65 °C |
| Geschwindigkeit | empfohlen 300 mm/s, max. 600 mm/s |
| Beschleunigung | empfohlen 10.000 mm/s², max. 20.000 mm/s² |
| Nivellierung | LeviQ 3.0, 49 Messpunkte, adaptive Bereichsnivellierung |
| Kamera | HD-Kamera 720p, KI-Erkennung |
| Bildschirm | 4,3 Zoll, kapazitiv, Menü auch auf Deutsch |
| Lautstärke | ≤ 48 dB Standard, ≤ 45 dB Leisemodus, 55 dB mit Kammerheizung |
| Netzwerk | Dualband-WLAN (Wi-Fi 6), Ethernet, LAN-Modus |
| Abmessungen | Drucker 502,7 × 483 × 584 mm; ACE 2 Pro 368 × 291,5 × 236,5 mm |
| Gewicht | Drucker ca. 25,7 kg; ACE 2 Pro ca. 3,7 kg |
| Mehrfarbe | ACE 2 Pro mit 4 Fächern, bis 4 Einheiten = 16 Farben |
Bauraum und Mechanik
350 mm Kantenlänge sind deutlich mehr als bei den verbreiteten 256-mm-Druckern und auch mehr als die 300 mm des Creality K2 Pro Combo. Rechnerisch bietet der S1 Max rund 2,5-mal so viel Volumen wie ein 256er-Würfel. Anycubic nennt als Beispiele Helme und Schuhe in Originalgröße; im Alltag ist der Platz vor allem für große Gehäuse, Cosplay-Teile oder ganze Druckplatten voller Kleinteile nützlich.
Damit der große Rahmen schnell und genau bleibt, beschreibt Anycubic eine Vollmetall-CoreXY-Konstruktion: auf der X-Achse einen vergrößerten Abstand der Linearstangen, auf der Y-Achse zwei symmetrische Antriebsriemen und auf der Z-Achse verstärkte 10-mm-Linearstangen. Ein Beschleunigungssensor misst die Resonanzfrequenzen für die Vibrationskompensation, und eine Flusskalibrierung gleicht Geschwindigkeit und Extrusion ab.
Die Nivellierung heißt LeviQ 3.0 und tastet das Druckbett an 49 Punkten ab. Zusätzlich erkennt der Drucker laut Hersteller, wo das Modell liegt, und nivelliert nur diesen Bereich.
Technische Filamente: die eigentliche Stärke
Hier unterscheidet sich der S1 Max am deutlichsten von günstigeren Modellen. Anycubic kombiniert drei Wärmequellen: 350 °C am Hotend, 120 °C am Druckbett und 65 °C in der Kammer. Laut Produktbeschreibung bei Amazon sollen damit PC, PA6-CF und PET-CF mit hoher Erfolgsquote und guter Schichthaftung gelingen. Gerade Polycarbonat braucht hohe Düsentemperaturen und eine warme Umgebung, sonst reißen die Schichten auf.
Bei den Verschleißteilen setzt Anycubic auf gehärtete Extruderzahnräder, ein Halsrohr aus Titanlegierung und eine Düse aus gehärtetem Stahl. Der Hersteller gibt für die Düse die sechsfache Lebensdauer einer Messingdüse an, ein Wert aus dem eigenen Labor. Für Carbon- und Glasfaserfilamente ist eine solche Düse Pflicht.
Die offizielle Filamentliste umfasst PLA, PETG, TPU 95A, PET, PLA-CF, PETG-CF und PVA sowie ABS, ASA, PC, PA, PA6-CF, PC-CF/GF und PET-CF. Eine Einschränkung: TPU 95A funktioniert nur einfarbig und nicht über die ACE 2 Pro.
Zwei Lüfter saugen laut Anycubic Außenluft in die Kammer, um Restwärme abzuführen und Wärmekriechen im Hotend zu vermeiden. Ein Aktivkohlefilter soll Gerüche reduzieren. Bei ABS, ASA oder PC ist eine Raumlüftung trotzdem sinnvoll.
ACE 2 Pro: Mehrfarbdruck mit Trocknung
Die ACE 2 Pro ist die Mehrfarbeinheit mit vier Fächern. Jeder Kanal hat laut Hersteller einen eigenen bürstenlosen Motor, dazu kommt ein neuer Puffer für gleichmäßigen Vorschub. Den Filamentvorschub gibt Anycubic mit 50 mm/s an, doppelt so schnell wie bei der Vorgängerin ACE Pro; ein Farbwechsel dauert damit rund 56 statt 84 Sekunden. Der Hersteller weist darauf hin, dass sich diese Zeiten mit Firmware-Updates ändern können.
Besonders praktisch: Die ACE 2 Pro trocknet Filament bei 65 °C, während gedruckt wird. Feuchtes PETG oder Nylon zieht Fäden, schäumt in der Düse und verliert Festigkeit; ein eigener Filamenttrockner wird damit für viele überflüssig. Temperatur- und Feuchtesensoren zeigen die Werte in Echtzeit an. Dazu kommen eine Restmengenanzeige und automatisches Nachfüllen, wenn eine Spule leer läuft. Die automatische Erkennung von Filamentparametern funktioniert laut Fußnote nur mit Anycubic-Filament und Internetverbindung.
Anycubic rät von Pappspulen ab, weil sie die ACE 2 Pro auf Dauer stören können. Mit vier Einheiten sind 16 Farben möglich; die ältere ACE Pro wird vom S1 Max laut Hersteller nicht unterstützt.
Bedienung, Kamera und Lautstärke
Der Drucker kommt laut Hersteller zu 95 Prozent vormontiert; vom Auspacken bis zum ersten Druck nennt Anycubic zehn Minuten. Das Hotend lässt sich per Schnellwechsel tauschen, eine 0,4- und eine 0,6-mm-Düse liegen bei. Eine Auswurfrinne links am Gerät sammelt das beim Farbwechsel ausgespülte Filament.
Eine 720p-Kamera mit KI-Auswertung erkennt laut Anycubic Fremdkörper auf dem Druckbett und „Spaghetti“, also abgelöste Drucke, und kann fehlerhafte Teile beim Weiterdrucken überspringen. Nach einem Stromausfall setzt der Drucker den Druck fort. Die Druckdateien entstehen in Anycubic Slicer Next, überwacht wird per App, verbunden über Dualband-WLAN, Ethernet oder im reinen LAN-Modus.
Zur Lautstärke macht Anycubic genaue Angaben: bis 48 dB im Standardmodus, bis 45 dB im Leisemodus, 55 dB mit eingeschalteter Kammerheizung, jeweils in einem Meter Abstand gemessen. Die ACE 2 Pro liegt bei 48 dB und mit Trocknung bei 55 dB. Für das Arbeitszimmer ist das vertretbar, im Schlafzimmer stört es.
Platzbedarf und Garantie
Mit rund 50 × 48 × 58 cm und 25,7 kg ist der S1 Max ein schweres Gerät, dazu kommt die ACE 2 Pro mit 3,7 kg. Die Verpackung des Combos wiegt laut Hersteller rund 35 kg; zum Hochtragen ist eine zweite Person ratsam.
Bei der Garantie ist Anycubic zurückhaltend. Laut Amazon-Beschreibung gilt ein Jahr eingeschränkte Herstellergarantie, für Druckkopf und Extruder nur drei Monate, für andere Hauptkomponenten sechs oder zwölf Monate. Davon unberührt bleibt in Deutschland die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren gegenüber dem Verkäufer.
Für wen eignet sich der Kobra S1 Max Combo?
Gut geeignet für:
- Wer große Teile in einem Stück drucken will, etwa Helme, Gehäuse oder Cosplay-Rüstungen.
- Maker, die PC, PA6-CF oder PET-CF für belastbare Funktionsteile verarbeiten.
- Alle, die feuchteempfindliche Filamente nutzen und einen Trockner im System schätzen.
Weniger geeignet für:
- Wer wenig Platz hat oder den Drucker oft umstellen muss.
- Wer vor allem kleine PLA-Modelle druckt: Dafür ist das Gerät überdimensioniert.
- Wer Wert auf eine lange Herstellergarantie legt.
Alternativen
Der Creality K2 Pro Combo ist etwas kleiner (300 mm Kantenlänge), heizt seine Kammer bis 60 °C und bringt zwei KI-Kameras mit. Wer vor allem PLA, PETG und ASA druckt und mit 256 mm auskommt, ist mit dem kompakteren Bambu Lab P1S Combo gut bedient.
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Unser Fazit
Der Anycubic Kobra S1 Max Combo liefert auf dem Papier das stärkste Paket für technische Filamente in dieser Auswahl: größter Bauraum, höchste Düsen- und Betttemperatur, beheizte Kammer und eine Mehrfarbeinheit, die nebenbei trocknet. Die Kehrseiten sind Größe, Gewicht und die kurze Herstellergarantie, besonders für Druckkopf und Extruder. Wer große, belastbare Teile drucken will und dafür Platz hat, sollte ihn in die engere Wahl nehmen.
Quellen