Der Bambu Lab P1S Combo in Kürze
Der Bambu Lab P1S Combo ist für viele der Drucker, an dem sich die geschlossene CoreXY-Mittelklasse messen lassen muss. Er kombiniert ein vollständig geschlossenes Gehäuse aus Kunststoff und Glas mit dem AMS (Automatic Material System), einer Einheit mit vier Fächern, die Filamente automatisch wechselt. Damit druckt der P1S mehrfarbig oder mit mehreren Materialien in einem Durchgang, ohne dass man daneben stehen muss. Bei Amazon kostet das Paket derzeit preis ansehen.
Bei Amazon kommt der Drucker auf eine Durchschnittsnote von 4,4 von 5 Sternen aus 938 Bewertungen. Das ist eine große und damit recht belastbare Zahl, gerade im Vergleich zu neueren Modellen, die erst eine Handvoll Rückmeldungen haben.
Wir haben die Angaben der offiziellen Produktseite im EU-Shop von Bambu Lab und die Produktbeschreibung bei Amazon zusammengetragen und ordnen sie ein. Ein eigener Druckversuch liegt dieser Bewertung nicht zugrunde.
Technische Daten laut Hersteller
| Merkmal | Bambu Lab P1S |
|---|
| Bauraum (B × T × H) | 256 × 256 × 256 mm |
| Bauweise | CoreXY, Gehäuse geschlossen (Kunststoff und Glas) |
| Hotend / Düse | Ganzmetall, 0,4 mm Edelstahl (0,2 / 0,6 / 0,8 mm optional) |
| Max. Düsentemperatur | 300 °C |
| Max. Druckbetttemperatur | 100 °C |
| Max. Geschwindigkeit / Beschleunigung | 500 mm/s / 20 m/s² (20.000 mm/s²) |
| Filamente „ideal“ | PLA, PETG, TPU, PVA, PET, ABS, ASA |
| Filamente „fähig“ | PA, PC |
| Kühlung und Filter | Hilfslüfter, Kammerlüfter, Platinenlüfter (Regelkreis), Aktivkohlefilter |
| Kamera | 1280 × 720, 0,5 Bilder/s, Zeitraffer |
| Filamentsensor | ja |
| Abmessungen / Gewicht | 389 × 389 × 458 mm / 12,95 kg netto |
| Stromversorgung | 100–240 V AC, 50/60 Hz, 1000 W bei 220 V |
| Im Combo enthalten | AMS (4 Fächer), 2 Ersatz-Filamentschneider, Buskabel, Filamentproben |
Gehäuse und Materialien: wofür der P1S gebaut ist
Der wichtigste Unterschied zum offenen Schwestermodell P1P ist das Gehäuse. Bambu Lab beschreibt den P1S als Variante mit vollständig geschlossener Druckkammer, einem zusätzlichen Bauteilkühllüfter, einem geregelten Kammerlüfter und einem Lüfter für die Steuerplatine. Dazu kommt ein Aktivkohlefilter, ausdrücklich für Filamente wie ABS, die beim Drucken Gerüche und Dämpfe abgeben.
Für die Materialwahl hat das direkte Folgen. Beim P1P stuft der Hersteller ABS und ASA nur als „fähig“ ein, beim P1S als „ideal“. Der Grund ist einfach: ABS und ASA schrumpfen beim Abkühlen stark und verziehen sich an den Ecken, wenn kalte Raumluft über das Bauteil streicht. Eine geschlossene Kammer hält die Wärme vom Druckbett im Inneren. Eine aktive Kammerheizung, wie sie der Creality K2 Pro Combo mit bis zu 60 °C mitbringt, hat der P1S allerdings nicht. Für sehr große ABS-Teile oder Polycarbonat ist das ein Nachteil; PA und PC führt Bambu Lab entsprechend nur als „fähig“.
Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit. In der Produktbeschreibung bei Amazon heißt es, das Vollmetall-Hotend verarbeite „kohlefaserverstärkte Filamente problemlos“. Der Hersteller selbst ist vorsichtiger: In den häufigen Fragen seines Shops rät Bambu Lab davon ab, glas- oder kohlefaserverstärkte Filamente direkt zu drucken, bevor Extruder und Hotend aufgerüstet wurden. Serienmäßig sitzt eine Edelstahldüse im Hotend, und harte Fasern schleifen eine solche Düse spürbar schneller aus als eine gehärtete Stahldüse. Wer PLA-CF oder PETG-CF drucken möchte, sollte dieses Upgrade gleich einplanen.
AMS: Mehrfarbdruck mit vier bis 16 Fächern
Das AMS steht in der Regel auf dem Drucker und nimmt vier Filamentspulen auf. Im Druck schneidet der Drucker das aktuelle Filament ab, zieht es zurück und führt das nächste ein. Laut Hersteller lässt sich das System auf bis zu vier AMS-Einheiten und damit 16 Farben erweitern; die Amazon-Beschreibung weist ebenfalls darauf hin, dass dafür vier Einheiten nötig sind.
Mehrfarbdruck mit nur einer Düse hat einen Preis, den man kennen sollte: Bei jedem Farbwechsel muss die alte Farbe aus der Düse gespült werden. Das kostet Zeit und erzeugt Abfall, bei Modellen mit vielen Farbwechseln pro Schicht deutlich mehr als bei Drucken, deren Farben schichtweise wechseln. Das betrifft alle Systeme dieser Bauart, auch die Konkurrenz von Creality, Anycubic und Elegoo.
Bambu Lab bietet inzwischen auch den Nachfolger AMS 2 Pro an und gibt an, dass er mit der P1-Serie kompatibel ist. Das bei Amazon angebotene Paket enthält das klassische AMS.
Geschwindigkeit und Druckqualität
Der P1S bewegt den Druckkopf laut Hersteller mit bis zu 500 mm/s bei einer Beschleunigung von 20 m/s², also 20.000 mm/s². Das sind Spitzenwerte für Leerfahrten und einfache Geometrien; die tatsächliche Druckzeit bestimmen Material, Schichthöhe und Kühlung mit. Entscheidender für die Qualität sind die Hilfsfunktionen: Bambu Lab nennt Vibrationskompensation (Input Shaping) und Flusskompensation, die Schwingungen des Rahmens bei schnellen Richtungswechseln ausgleichen. Ohne solche Verfahren zeigen schnelle Drucker oft Geisterbilder an Kanten.
Die Kalibrierung übernimmt der Drucker selbst. Der Hersteller beschreibt ein Gerät, das „sofort nach dem Auspacken“ funktioniert: automatische Bettnivellierung und Vibrationskompensation laufen ohne Zutun. Bambu Lab gibt für den Weg vom Auspacken bis zum ersten Druck 15 Minuten an.
Kamera, Software und Netzwerk
Im Gehäuse sitzt eine Kamera, die laut Datenblatt mit 1280 × 720 Pixeln, aber nur 0,5 Bildern pro Sekunde arbeitet. Das reicht für einen Blick in die Kammer und für Zeitraffervideos, nicht für flüssiges Live-Bild. Den Micro-Lidar für erweiterte KI-Erkennung behält Bambu Lab laut Shop dem teureren X1-Carbon vor.
Gedruckt wird über Bambu Studio am Rechner oder direkt aus der App heraus; die Amazon-Beschreibung hebt die Modellbibliothek MakerWorld hervor, aus der sich druckfertige Dateien laden lassen. Für Datenschutzbewusste wichtig: Bambu Lab weist im Shop darauf hin, dass die Cybersicherheit den Anforderungen nach Art. 3.3(d)(e) der EU-Funkanlagenrichtlinie RED und der Norm ETSI EN 303 645 entspricht.
Platzbedarf, Strom und Aufstellung
Mit 389 × 389 × 458 mm und knapp 13 kg ist der P1S ein kompakter Würfel. Mit AMS obendrauf wird er deutlich höher, und für das Öffnen des Deckels braucht man zusätzlichen Raum nach oben. Ein stabiler Tisch ist Pflicht, denn schnelle CoreXY-Drucker übertragen Vibrationen auf wackelige Unterlagen.
Beim Strom nennt der Hersteller 1000 W bei 220 V. Das ist der Spitzenwert, vor allem während das Druckbett auf bis zu 100 °C aufheizt. Ein normaler Schuko-Anschluss genügt; Mehrfachsteckdosen mit vielen anderen Großverbrauchern sollte man vermeiden. Einen Lautstärkewert in Dezibel nennt Bambu Lab für den P1S auf der Shopseite nicht.
Zur Lieferung: Laut Hersteller gehören Drucker, Edelstahl-Hotend mit Düse, Druckplatte, eine Spule Bambu-PLA, eine Nadel gegen Verstopfungen, Stromkabel und eine Zubehörbox dazu; das Combo ergänzt AMS, zwei Ersatz-Filamentschneider, Buskabel und zwei Filamentproben.
Für wen eignet sich der P1S Combo?
Gut geeignet für:
- Einsteiger, die gleich einen geschlossenen Drucker wollen und keine Lust auf manuelles Einstellen haben.
- Alle, die regelmäßig mehrfarbig drucken möchten, etwa Figuren, Schilder oder Ersatzteile mit Beschriftung.
- Bastler, die neben PLA und PETG auch ABS oder ASA für hitzefeste oder UV-beständige Teile drucken.
Weniger geeignet für:
- Wer viel mit kohle- oder glasfaserverstärkten Filamenten arbeitet: Dafür ist zuerst ein Düsen- und Hotend-Upgrade nötig.
- Wer große Teile über 25 cm Kantenlänge plant: Der Bauraum endet bei 256 mm.
- Wer technische Kunststoffe wie PC oder Nylon im großen Stil verarbeitet und eine beheizte Kammer braucht.
Alternativen
Wer mehr Bauraum und eine aktive Kammerheizung sucht, findet im Creality K2 Pro Combo 300 × 300 × 300 mm und eine Kammer bis 60 °C, zahlt dafür aber mehr. Wer das Bambu-Ökosystem schätzt, aber vor allem PLA und PETG druckt, kann mit dem offenen Bambu Lab A1 Combo sparen. Einen geschlossenen Drucker mit gehärteter Düse in einer günstigeren Klasse bietet der Elegoo Centauri Carbon 2 Combo.
Alle Modelle nebeneinander finden Sie in unserem 3D-Drucker-Vergleich 2026.
Unser Fazit
Der Bambu Lab P1S Combo ist kein Spezialist, sondern ein ausgereifter Allrounder. Geschlossenes Gehäuse, Aktivkohlefilter, automatische Kalibrierung und das AMS machen ihn zu einem Drucker, der vom ersten Tag an mehrfarbig arbeitet und ABS sowie ASA ohne Zusatzbauten verträgt. Die Grenzen liegen bei der serienmäßigen Edelstahldüse, der fehlenden Kammerheizung und der einfachen Kamera. Wer damit leben kann, bekommt eines der stimmigsten Gesamtpakete seiner Klasse, mit einer sehr großen Nutzergemeinde im Rücken.
Quellen