Ratgeber

3D-Drucker-Filament: welches Material wofür?

PLA, PETG, ABS/ASA, TPU, Carbonfilament und Resin im Überblick: Temperaturen, Gehäuse, Düse, Trocknen und Lagern, nützliches Zubehör – mit passenden Druckern.

Redaktion von Beste 3D-Drucker Veröffentlicht am
3D-Drucker-Filament: welches Material wofür?

Für wen ist dieser Ratgeber?

Wer „3D-Drucker Filament Arten“, „PLA vs PETG“ oder „Resin vs Filament“ sucht, hat meist schon einen Drucker oder steht kurz vor dem Kauf und will wissen, was er damit eigentlich drucken kann. Die Frage ist berechtigt: Ein Becherhalter fürs Auto aus PLA verformt sich im Sommer, ein ABS-Teil auf einem offenen Drucker reißt an den Ecken, und Carbonfilament schleift eine normale Düse in kurzer Zeit aus.

Dieser Ratgeber erklärt die gängigen Materialien, nennt die Temperaturen aus den Herstellerunterlagen von Prusa und Bambu Lab und zeigt, welches Zubehör wirklich hilft. Am Ende ordnen wir die Drucker aus unserem 3D-Drucker-Vergleich 2026 den Materialien zu. Vorweg ein Beispiel, wie stark der Drucker die Materialwahl bestimmt: Der geschlossene Bambu Lab P1S Combo führt ABS und ASA laut Hersteller als „ideal“, der offene A1 als „nicht empfohlen“.

Die wichtigsten Filamente auf einen Blick

Die Werte stammen aus dem deutschen Handbuch des Original Prusa MK4S. Andere Hersteller geben teils abweichende Bereiche an; Bambu Lab nennt im Wiki des A1 mini zum Beispiel rund 210 bis 220 °C für PLA und 250 bis 260 °C für PETG. Maßgeblich ist am Ende das Profil im Slicer und die Angabe auf der Spule.

MaterialDüse laut PrusaDruckbett laut PrusaGehäuseTypischer Einsatz
PLA215 °C50–60 °Cnicht nötigFiguren, Prototypen, Modelle
PETG240 °C70–90 °Cnicht nötigHalterungen, mechanische Teile, wasserfeste Drucke
ASA / ABS270–275 °C90–110 °Cempfohlenhitzefeste und UV-beständige Teile, Außeneinsatz
Flex (TPU)220–260 °C40–85 °Cnicht nötigHandyhüllen, Dichtungen, Räder
PC270–275 °C110–115 °Cempfohlentechnische Bauteile mit hoher Belastung
PA (Nylon)240–285 °C70–115 °Cempfohlen, mit FilterungFunktionsteile, Zahnräder, hitzefeste Teile

PLA: das Material für den Anfang

PLA ist laut Prusa das am häufigsten verwendete Material im 3D-Druck. Es lässt sich leicht drucken, ist nahezu geruchlos, günstig und in sehr vielen Farben erhältlich. Weil es kaum schrumpft, verzieht es sich auch bei großen Objekten selten. Die Schwächen: PLA ist spröde, verträgt nur 50 bis 60 °C und ist wegen geringer UV- und Temperaturbeständigkeit nicht für den Außeneinsatz gedacht.

Prusa rät, PLA-Drucke nass zu schleifen, weil die Reibungswärme beim Trockenschleifen das Teil verformen kann. Zum Verkleben genügt laut Prusa ein hochwertiger Sekundenkleber.

PETG: die robuste Alternative

PETG ist laut Prusa fast so einfach zu drucken wie PLA, aber temperaturbeständiger, flexibler und weniger spröde. Prusa druckt die Kunststoffteile seiner eigenen Drucker aus PETG. Typische Anwendungen sind mechanische Teile, Halterungen und wasserfeste Drucke wie Blumentöpfe.

Der bekannte Nachteil ist das Fädenziehen (Stringing): Feine Kunststofffäden bleiben zwischen den Bauteilen hängen. Prusa empfiehlt dagegen einen passenden Einzug, niedrigere Temperaturen und die Werte aus den Slicer-Profilen. Auf glatten PEI-Platten haftet PETG laut Prusa so stark, dass eine dünne Schicht Klebestift als Trennmittel sinnvoll ist.

PLA oder PETG?

Für Figuren, Dekoration, Lernmodelle, Cosplay-Teile im Innenraum und Prototypen: PLA. Für alles, was Wärme, Stöße oder Feuchtigkeit abbekommt – Halter im Auto, Teile für Balkon und Garten, Clips, die sich biegen sollen: PETG. Beide laufen auf allen Filamentdruckern in unserem Vergleich, auch auf offenen Geräten wie dem Bambu Lab A1 mini.

ABS und ASA: hitzefest, aber anspruchsvoll

ASA und ABS sind sich sehr ähnlich. Laut Prusa ist ASA UV-stabil, schrumpft etwas weniger und ist deshalb heute beliebter. Die Teile halten Temperaturen um 100 °C ohne Verformung aus. Der Haken ist die hohe Wärmeausdehnung: Selbst bei 100 °C Betttemperatur kann sich der Druck verziehen und vom Bett lösen. Prusa empfiehlt deshalb einen geschlossenen Bauraum und weist auf einen unangenehmen Geruch beim Drucken hin, weil das Material Styrol enthält.

Hier kommt es auf den Drucker an. Der P1S hat laut Bambu Lab eine geschlossene Kammer und einen Aktivkohlefilter für Filamente wie ABS, die Gerüche abgeben. Noch einen Schritt weiter gehen Drucker mit aktiver Kammerheizung: Der Creality K2 Pro Combo heizt laut Creality auf bis zu 60 °C, der Anycubic Kobra S1 Max Combo laut Anycubic auf bis zu 65 °C. Gerade bei großen ABS- und ASA-Teilen verringert das den Verzug.

TPU: flexibel und zäh

Flexible Filamente sind laut Prusa sehr strapazierfähig und elastisch, schrumpfen kaum und haften hervorragend zwischen den Schichten. Sie eignen sich für Handyhüllen, Gehäuse für Actionkameras oder Räder. Prusa bezeichnet sie aber auch als eher teuer und nicht für Anfänger geeignet: Sie brauchen ein spezielles Einlegeverfahren, langsamere Geschwindigkeiten und müssen trocken gelagert werden.

Bei Mehrfarbsystemen ist TPU oft ein Sonderfall. Das CFS des K2 Pro ist laut Creality nicht für flexibles TPU ausgelegt, beim Kobra S1 Max läuft TPU 95A laut Anycubic nur einfarbig, ohne ACE 2 Pro. Der Flashforge Adventurer 5X druckt laut Hersteller härteres TPU (64D) mehrfarbig, das weichere TPU 95A nur einfarbig.

Carbon- und Glasfaserfilament: nur mit gehärteter Düse

Filamente wie PLA-CF, PETG-CF oder PA-CF enthalten kurze Kohle- oder Glasfasern. Sie machen Teile steifer und matter, sind aber abrasiv. Bambu Lab beschreibt das deutlich: Die Partikel wirken wie Schleifpapier auf Düse und Extruderzahnräder. Eine Edelstahldüse, mit der zehn Stunden PETG-CF gedruckt wurde, zeigt im Wiki eine sichtbar aufgeweitete Öffnung. Auch nachtleuchtendes Filament zählt Bambu Lab zu den abrasiven Materialien.

Die Lösung ist eine Düse aus gehärtetem Stahl, idealerweise mit 0,6 oder 0,8 mm, die Bambu Lab für abrasive Filamente empfiehlt, um Verstopfungen zu vermeiden. Ab Werk haben der K2 Pro, der Kobra S1 Max und der Elegoo Centauri Carbon 2 Combo bereits eine gehärtete Düse. Beim P1S und den A1-Modellen ist serienmäßig Edelstahl verbaut; Bambu Lab rät, vor faserverstärkten Filamenten Extruder und Hotend aufzurüsten.

PA und PC: technische Werkstoffe

Polyamid (Nylon) und Polycarbonat sind laut Prusa Materialien für Fortgeschrittene. PA ist hitzefest, chemikalienbeständig und zäh, aber stark hygroskopisch und neigt zum Verziehen. Prusa empfiehlt, PA vor dem Druck mindestens vier Stunden bei höchstens 90 °C zu trocknen und einen geschlossenen Drucker mit aktiver Filterung oder einen gut belüfteten Raum zu nutzen, weil beim Drucken potenziell gefährliche Partikel frei werden. PC übertrifft laut Prusa alle gängigen Materialien in mechanischer, chemischer und thermischer Beständigkeit, braucht aber 270 bis 275 °C an der Düse und bis 115 °C am Bett.

Für diese Werkstoffe sind Drucker mit hoher Düsentemperatur und beheizter Kammer im Vorteil. Der Kobra S1 Max erreicht laut Anycubic 350 °C an der Düse, 120 °C am Bett und 65 °C in der Kammer.

Resin statt Filament?

Resin-Drucker wie der Elegoo Saturn 4 Ultra 16K arbeiten mit flüssigem Kunstharz, das unter UV-Licht aushärtet. Die Auflösung ist eine andere Liga: Elegoo nennt Pixel von 14 × 19 µm. Für Miniaturen, Schmuck und Figuren mit Gesichtszügen ist das ideal. Für Halterungen und Ersatzteile, die Kräfte aufnehmen müssen, bleibt Filament die bessere Wahl.

Der Aufwand ist höher. Die BG ETEM nennt für unausgehärtetes Harz Nitrilhandschuhe und Schutzbrille und warnt, dass Isopropanol beim Waschen eine explosionsfähige Atmosphäre bilden kann. Formlabs rät, beim Schleifen von Harzteilen einen Atemschutz zu tragen oder nass zu schleifen. Waschen und Nachhärten gehören zu jedem Druck dazu.

Trocknen und richtig lagern

Filament nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf. Laut Bambu Lab verdampft das Wasser in der heißen Düse schlagartig – die Folge sind Blasen, Fäden, Löcher, raue Oberflächen und weniger Festigkeit. Die Zahlen aus dem Bambu-Lab-Wiki sind eindrücklich: Bei üblichen 55 % Luftfeuchte in der Wohnung nimmt frisch getrocknetes Filament je nach Material schon nach 2 bis 12 Stunden wieder so viel Wasser auf, dass die Druckqualität leidet. Nur unter 20 % relativer Feuchte bleibt es einige Tage trocken.

Die Trocknungsempfehlungen von Bambu Lab für einen Umluftofen (jeweils rund acht Stunden):

MaterialTrocknen vor dem DruckTemperatur im Umluftofen
PLA Basic / Mattempfohlen50 °C
PETG, PETG-CFempfohlen60–65 °C
ABS, ASAempfohlen75–85 °C
TPU 85A / 90A / 95Aerforderlich70 °C
PC, PVA, PA6-CFerforderlich75–85 °C

Bambu Lab warnt ausdrücklich davor, Filament in der Mikrowelle oder im Küchenbackofen zu trocknen: Die Hitze ist ungleichmäßig, und in der Nähe der Heizstäbe können Spule und Filament beschädigt werden. Offene Drucker wie A1 und A1 mini eignen sich laut Hersteller nicht zum Trocknen auf dem Heizbett. Einen eingebauten Trockner hat die ACE 2 Pro des Kobra S1 Max, die laut Anycubic während des Drucks bei 65 °C trocknet. Nach dem Trocknen gehört das Filament in einen dicht schließenden Behälter mit Trockenmittel.

Zubehör, das wirklich hilft

Viel Zubehör ist verzichtbar. Diese Dinge haben sich bewährt, und die meisten werden in den Herstellerunterlagen selbst empfohlen:

  • Dichte Box mit Trockenmittel und Hygrometer: Bambu Lab empfiehlt, getrocknetes Filament versiegelt mit Trockenmittel zu lagern und die Feuchte mit einem Hygrometer zu kontrollieren. Silikagel mit Farbindikator zeigt, wann es erneuert oder regeneriert werden muss.
  • Filamenttrockner: sinnvoll, sobald PETG, TPU oder Nylon ins Spiel kommen.
  • Isopropanol mit mindestens 90 %: Prusa empfiehlt hochkonzentrierten Isopropylalkohol zum Entfetten der Druckplatte und rät von Produkten wie Handdesinfektionsmittel ab, weil deren Zusätze die Haftung verschlechtern.
  • Klebestift: laut Prusa als Trennschicht für PETG auf glatter PEI-Platte, für ABS und ASA auf texturierten Platten sowie für PC.
  • Spachtel oder Schaber und eine Zange: zum Ablösen von Teilen und zum Entfernen von geschmolzenem Kunststoff an der Düse – Prusa rät, dafür nie die Finger zu benutzen.
  • Gehärtete Düse in 0,6 mm: sobald Carbon- oder Glasfaserfilament geplant ist und der Drucker ab Werk eine Edelstahldüse hat.
  • Für Resin: Nitrilhandschuhe, Schutzbrille und eine Wasch- und Härtestation.

Passende Drucker nach Material

Bambu Lab P1S Combo
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Geschlossen, mit Aktivkohlefilter: laut Hersteller ideal für PLA, PETG, TPU, ABS und ASA. Für Carbonfilament ist ein Upgrade auf gehärtete Düse und Extruder nötig.

Creality K2 Pro Combo
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Kammerheizung bis 60 °C und gehärtete Düse ab Werk: für ASA, PA-CF und PPA-CF in großen Teilen bis 300 mm. Für mehrfarbiges TPU ist das CFS nicht gedacht.

Anycubic Kobra S1 Max Combo
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350 °C an der Düse, 120 °C am Bett, 65 °C in der Kammer und Trocknung in der ACE 2 Pro: das stärkste Paket für PC und Nylon in diesem Vergleich.

Elegoo Centauri Carbon 2 Combo
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Geschlossen, mit gehärteter 350-°C-Düse: laut Elegoo ideal für PLA, PETG, ABS und ASA, kompatibel mit faserverstärkten Filamenten – der günstigste Weg zu Carbonfilament.

Elegoo Saturn 4 Ultra 16K
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Resin-Drucker für feinste Details, etwa Tabletop-Miniaturen. Bei Amazon 5,0 von 5 Sternen, allerdings aus nur 8 Bewertungen.

Wer ohnehin nur PLA, PETG und TPU drucken möchte, braucht keinen geschlossenen Drucker; für den Einstieg genügen offene Geräte. Mehr dazu in unserem Ratgeber 3D-Drucker für Anfänger.

Fazit

Für die meisten Projekte reichen PLA und PETG. Wer hitzefeste Teile für draußen braucht, kommt zu ASA und damit zu einem geschlossenen Drucker wie dem Bambu Lab P1S Combo. Für große technische Teile aus Nylon, PC oder Carbonfilament sind Drucker mit beheizter Kammer und gehärteter Düse wie der Creality K2 Pro Combo oder der Anycubic Kobra S1 Max Combo die bessere Wahl. Unabhängig vom Material gilt: trocken lagern, im Zweifel trocknen und die Temperaturen aus dem Slicer-Profil nicht überschreiten.

Quellen

Häufige Fragen

PLA oder PETG: was ist besser?

Das hängt vom Einsatz ab. PLA ist laut Prusa am einfachsten zu drucken und nahezu geruchlos, verträgt aber nur 50 bis 60 °C. PETG ist zäher und temperaturbeständiger, zieht jedoch eher Fäden. Für Figuren und Prototypen reicht PLA, für Halterungen, Teile im Auto oder auf dem Balkon ist PETG die bessere Wahl.

Braucht man für ABS und ASA ein Gehäuse?

In der Praxis ja. Prusa empfiehlt für ASA und ABS einen geschlossenen Bauraum, weil sich die Teile sonst verziehen und vom Bett lösen. Bambu Lab stuft ABS und ASA beim geschlossenen P1S als ideal ein, beim offenen A1 dagegen als nicht empfohlen.

Welche Düse braucht man für Carbonfilament?

Eine Düse aus gehärtetem Stahl. Kohle- und Glasfasern wirken laut Bambu Lab wie Schleifpapier; eine Edelstahldüse war nach zehn Stunden PETG-CF sichtbar ausgeschliffen. Der Hersteller empfiehlt für solche Filamente zudem 0,6 oder 0,8 mm Düsendurchmesser.

Muss man Filament trocknen?

Bei vielen Materialien ja. Feuchtes Filament verursacht laut Bambu Lab Blasen, Fäden, raue Oberflächen und weniger Festigkeit. TPU, PC, PA und PVA sollten laut Bambu-Lab-Tabelle vor dem Druck immer getrocknet werden, PLA und PETG werden zum Trocknen empfohlen.

Kann man Filament im Backofen trocknen?

Bambu Lab rät ausdrücklich davon ab, Filament in der Mikrowelle oder im Küchenbackofen zu trocknen, weil die Hitze ungleichmäßig verteilt ist und Spulen oder Filament beschädigt werden können. Besser sind ein Filamenttrockner, ein Umluftofen mit genauer Temperatur oder ein Drucker mit Trocknungsfunktion.

Ist Resin besser als Filament?

Nicht besser, sondern anders. Resin liefert deutlich feinere Details, eignet sich aber weniger für belastbare Funktionsteile und erfordert Handschuhe, Schutzbrille, Waschen und Nachhärten. Filament ist für Alltag, Ersatzteile und Einsteiger die praktischere Wahl.